NAVIGATION
 
STADTKIRCHE
Stadtkirche
Die Stadtkirche als Haus des hl. Reinold, als Ratskirche, Wallfahrtsort, Begräbnisstätte mit umliegendem Kirchhof, auf dem nicht nur begraben, sondern auch gefeiert, gehandelt, Asyl gewährt und Armen eine Wohnstatt gegeben wurde – die heutige Reinoldikirche hat mit dieser Lebenswelt nicht mehr viel gemein. Und doch prägen auch Kontinuitäten den Ort.
Seit dem 10. Jahrhundert ist die Reinoldikirche Hauptpfarrkirche Dortmunds und als solche Zentrum städtisch-religiösen Lebens. „885 Tremonia” – „1957 Dortmund” steht als Inschrift seit der Wiedererrichtung der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Wetterfahne. Die Hauptpfarrkirche wurde somit zu einem symbolischen Ort der städtisch-religiösen Kontinuität erklärt. Trotz veränderter religiöser und politischer Umstände, die den Bau und seine Benutzung prägten – die Reinoldikirche ist seit jeher ein Gotteshaus, in dem zunächst für ca. 600 Jahre katholisch die Messe gefeiert wurde und offiziell seit 1562 der Gottesdienst in evangelischer Art stattfindet.
Wichtige Ausstattungsstücke überdauerten die Zäsur der Reformation und blieben vor Ort, ja selbst die Reliquien Reinolds wurden bis 1614 im Reliquienhaus verwahrt. Noch heute wird das Chorgestühl benutzt, werden am Adlerpult z.B. die Stundengebete verlesen u.v.m..
Der Umgang mit den mittelalterlichen Kunstschätzen, die an ihrem Ort geblieben sind und benutzt werden, verleiht diesen einen lebendigen Zeugnischarakter, der weit über das Vermögen eines Museums hinausgeht. Die Reinoldikirche ist dadurch nicht nur Gotteshaus, sondern Identifikationsträger und -ort, ein städtischer und persönlicher Erinnerungsort.
Die Erweiterung der Stadtkirchenarbeit an der Reinoldikirche durch das Informationszentrum und den Ausbau des Turmraumes knüpft an dieses Raumvermögen an. Dass diese bauliche Erweiterung einem Bedarf entgegenkommt, verdeutlicht das breite Interesse an der eigenen Geschichte, das sich bei bei Führungen, (kunst)historischen Tagungen und Ausstellungen zeigt wie auch der breite Zuspruch, den die offene Kirche im Laufe des Tages bei vielen hundert Menschen genießt.
Weiterführende Literatur zur Reinoldikirche und zu Reinold:
Paul Fiebig, St. Reinoldus in Kult, Liturgie und Kunst (Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark 53), 1956.
Thomas Schilp und Beate Weifenbach (Hg.), Die mittelalterliche Stadt und ihr heiliger Patron. Reinoldus und die Dortmunder Bürgergemeinde, Essen 2000.
Nils Büttner, Thomas Schilp, Barbara Welzel (Hg.), Städtische Repräsentation – St. Reinoldi und das Rathaus als Schauplätze des Dortmunder Mittelalters (Dortmunder Forschungen zur Kunst, Kultur und Geschichte des Spätmittelalters Bd. 5), erscheint im Herbst 2005.
künftig auch:
Thomas Schilp und Barbara Welzel (Hg.), Dortmund im Mittelalter. Stadtführer, (Dortmunder Mittelalter-Forschungen) Bielefeld 2006