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KIRCHENBESICHTIGUNGEN
Montag //16. Oktober // 20.15 Uhr
Science-Slam zum Reformationsjahr
„Tritt fest auf, mach‘s Maul auf, hör bald auf!“ Nicht nur Martin Luther stand öffentlich für seine Meinung ein. Bis heute erschließen wir uns Gott und die Welt durch die Macht der Worte. Sie haben eine enorme Kraft, bringen ins Leben und können zerstören, helfen zu verstehen und prägen unsere Einstellungen und unser Verhalten. Wie ist das mit Wundern? – Wie erwirkt man sein Seelenheil und was hilft Kindern, das „Maul aufzumachen“. Knackige 10 Minuten haben Forscherinnen und Wissenschaftler Zeit, Ihre Erkenntnisse zu diesen und anderen Themen allgemeinverständlich, kreativ und spannend vorzubringen. Alles ist den SlammerInnen erlaubt: Requisiten, Live-Experimente, Powerpoint und Ausdruckstanz. Raus aus dem Elfenbeinturm, rauf auf die Kirchenbühne. Am Ende entscheidet das Publikum per Applaus über die beste Performance. Jerome Vazhayil führt durch den Abend.
Tickets: 9€ / erm. 7€ im reinoldiforum, Ostenhellweg 2; beim Ev. Erwachsenenbildungswerk Westfalen u. Lippe e.V. 0231.54 09 15 oder slam@ebwwest.de; im LUUPS, Neuer Graben 2 und bei „Unterhaltung“, Schillingstr. 27.
Eine Kooperation mit dem Ev. Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e.V. und der Agentur LUUPS (Dortmund)
KIRCHENFÜHRUNGEN
Entdecken Sie die traditionsreiche Geschichte der St. Reinoldi-Kirche. Noch heute erzählt dieser Ort vom mittelalterlichen Leben der Dortmunder Bürger und ihrem besonderen Beschützer Reinoldus.
Mittelalterliche Kirchen haben häufig ein bewegtes Leben hinter sich. Durch die Jahrhunderte verändert sich ein Sakralbau und zeugt damit von unterschiedlichem Zeitgeschmack, von Zerstörung und Wiederaufbau, von sich wandelnder Glaubenspraxis. Architektur und Ausstattung können bei genauerer Betrachtung Auskunft über ihre jeweilige Zeit geben. Befragt man die Dortmunder Hauptkirche St. Reinoldi, führen zahlreiche Spuren zurück in die alte Reichs- und Hansestadt des Mittelalters. Denn die Geschichte der ehemaligen Ratskirche ist mit der Stadtgeschichte Dortmunds eng verwoben. Bei einer Führung durch St. Reinoldi erfahren Sie aber nicht nur Wissenswertes zur Kirche und zu ihrem Stellenwert in der Stadtgeschichte, sondern auch Sagenhaftes vom Heiligen Reinoldus.
TERMINE UND THEMEN:
Sonntag 19. August // 14 Uhr: fabelhafte Wesen und Weltanschauungen
TREFFPUNKT: Unter der Orgel von St. Reinoldi. Die Führungen sind kostenlos. Gern können Sie die Restaurierungsmaßnahmen der Kirche mit einer Spende unterstützen.
Schulklassen und Gruppen möchten wir darauf hinweisen, dass ein geplanter Besuch der St. Reinoldi-Kirche im Stadtkirchenbüro unter 88 23 013 oder post@sanktreinoldi.de angemeldet werden muss. Gern ermöglichen wir Ihnen und Ihrer Gruppe eine kunsthistorische Kirchenführung mit anschließendem Turmaufgang.
TURMAUFGANG
Samstags besteht zwischen 12 und 15 Uhr die Möglichkeit, den Turm der St. Reinoldi-Kirche empor zu steigen und die Aussicht von der Plattform aus zu genießen.
Gesonderte Termine für Schulklassen und andere Gruppen sind möglich, eine frühzeitige Anmeldung ist aber unbedingt erforderlich.
Anfragen zum Turmaufgang bitte an das Stadtkirchenbüro der St. Reinoldi-Kirche unter 88 23 013 oder post@sanktreinoldi.de
BILD UND KLANG
Öffentliche Vorlesungsreihe
Orient und Okzident
Veranstalter: TU Dortmund in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum, dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen, dem Stadtarchiv Dortmund, der Conrad-von-Soest-Gesellschaft und der Stadtkirche St. Reinoldi
Beginn: 17. Oktober 2017
08. August // 19.30 Uhr
"AM WORT ENTZÜNDET SICH ALLES"
Feridun Zaimoglu über Luther, seinen Luther-Roman EVANGELIO und die Impulse der Reformation - Ein Zwiegespräch mit Kulturdezernent und Stadtdirektor Jörg Stüdemann und dem Schriftsteller Feridun Zaimoglu
Es ist eine gespannte Atmosphäre im Mittelschiff der Reinoldikirche. Die Aufmerksamkeit der rund 100 Gäste konzentriert sich auf das Podium vor dem Altarraum, wo Pfarrer Michael Küstermann, Stadtdirektor und Kulturdezernent Jörg Stüdemann und Autor Feridun Zaimoglu bereits Platz genommen haben. Bevor sie an diesem Abend ins Zwiegespräch kommen über den Text, schlägt Zaimoglu die ersten Seiten aus Evangelio auf und setzt mit tragender Stimme an.
Zwei Pole einer Geschichte: der Mönch und sein Beschützer auf der Wartburg
Als erstes spricht zum Publikum: Der Landsknecht Burkhard. Wir hören ihn als Beobachter Luthers, der sich sowohl mit seinen reformatorische Ideen als auch mit seiner Körperlichkeit auseinandersetzt. Luther, der nicht essen will, weil es das falsche Fleisch ist. Burkhard versteht die Eigenheiten des Mönchs nicht, dem er zum Schutze bestellt wurde. Er ist pragmatisch: Wer Hunger hat, muss essen. Vor allem dann, wenn andere ihm nach dem Leben trachten und er eingesperrt auf der Wartburg mit sich und seinen wahnhaften Visionen des Teufels kämpft. Burkhard ist nicht nur Beobachter; durch seine Augen, durch seine Wörter bekommt auch die Figur, das Mysterium Luther seine menschliche, makelhafte Seite. So klagt Luther über seinen auf dem Stroh wundgelegenem Arsch, während der Landsknecht fast schon trocken anmerkt: "Sein Maul fließt über, denn das Evangelium sticht ihn." Zaimoglu verleiht beim Lesen beiden Figuren einen brennenden Duktus, wenn er die Worte in der Kirche ertönen lässt, über die Köpfe der Zuhörerinnen und Zuhörer hinweg. Es ist nicht immer leicht zu verstehen, was er sagt, denn die Sprache ist für unsere Zeit ungewohnt und bedarf einer Eingewöhnung. Doch die Dringlichkeit, die Notwendigkeit, mit der sich die Äußerungen und Aussagen, die Ideen, die Beobachtungen, die Gedanken und Qualen der beiden Hauptfiguren aufbauen, sie sind in der den ganzen Kirchenraum einnehmenden Stimme des Schriftstellers erlebbar.
Eine Sprache, die fordert
Das Zwiegespräch neben den gelesenen Passagen gibt den Gästen die Möglichkeit, noch mehr in das Buch und seine Entstehung einzutauchen. Freundschaftlich entspannt diskutiert Stadtdirektor Jörg Stüdemann mit dem Autoren über Passagen, die ihn persönlich gereizt haben. "Die eigentliche Sensation dieses Buches ist seine Sprache. Wie hast du diese Sprache kreiert?" "Nun," setzt der Autor an, "ich hatte 40 Jahre Zeit dafür. Andere sammeln Schmetterlinge, ich beschäftige mich mit so etwas." Zaimoglu lacht. Bedächtig führ er fort: "Ich suchte einen sprachlichen Weg, die Bilder der deutschen Sprache von damals zu finden." Man merkt, dass diese Suche nach einer passenden, angemessenen Sprache für Luther ein innewohnendes Anliegen Zaimoglus ist. Deshalb ist diese Kunstsprache auch eher als Bild denn als Abbild zu verstehen. Ohne die (literarisch überarbeitete) Darstellung der unbarmherzigen Welt von damals, hätte die Leistung, die Bedeutung von Luthers Wirken nicht wiedergegeben werden können. "Um die wirkliche Leistung Luthers zu verstehen, muss man ihn und seine Sprache im Zusammenhang seiner Zeit sehen", betont Zaimoglu.
Der Roman als Archäologie der Zeit
Ja, die Sprache ist rabiat, sie wütet, ist hysterisch, rau, unförmig, ungehobelt, brutal, denn die Zeiten waren es auch. Das Buch ist nicht leicht zu lesen. Doch wenn wir ihm folgen, so erfahren die Gäste über Zaimoglus Darstellungen, dass auch der Prozess des Schreibens kein leichter war. Aus Stüdemanns Sicht wird das Buch so zu mehr als Literatur: "Das Buch ist auch eine Archäologie der Zeit. Die Sprache in deinem Buch ist brutal, es kommt sehr viel Blut und Gewalt vor, aber die Zeit war ja auch brutal. Und gegen diesen Hintergrund hebt sich der Gedanke der Reformation, ihr revolutionärer Charakter ab." Der Autor nickt zustimmend und ergänzt: "Heute wollen wir solche rabiaten Worte nicht mehr hören. Es gibt aber keinen Marzipan-Luther, von dem wir uns hier mal eine Scheibe abschneiden können oder hier." Luther dürfe nicht verniedlicht werden. Deshalb verlange die Sprache des Buches auch einiges ab vom Leser. Das Lesen wird zu einer Grenzerfahrung, wie es das Übersetzen des Neuen Testaments für Luther war. Man könne sich der Figur Martin Luther nur nähern, wenn man ihn aus seiner Christlichkeit, aus seiner Frömmigkeit heraus versteht.
Schreiben für den Glauben und gegen die Dämonen
Luther glaubte an Gott, und an den Teufel und an Dämonen. Das geht aus vielen Schriftstücken und Briefen hervor. Und sie suchten ihn während seiner Zeit auf der Wartburg auf, so heftig wie zuvor und danach nicht mehr. Luther wälzt sich im Fieberwahn über der Schrift, über der Bibel, um sie in eine deutsche Form zu bringen. In eine richtige Form. Sola scriptura, allein durch die Schrift wird die Botschaft verkündet, nicht durch kirchliche Auslegungen. Aus diesem reformatorischen Gedanken entsteht das Werk der Übersetzung. Und er schreibt dagegen an, gegen die weltlichen und göttlichen Dämonen. Das Schreiben ist für Luther ein Heilsakt. "Es war mir wichtig, die Erlösungsgeschichte von Luther zu schreiben", sagt der Autor.
Am Wort entzündet sich alles und das Feuer hört nicht auf
Dass Zaimoglu aus einer anderen Kultur und Religion kommt, spielt an diesem Abend keine Rolle, tauchte höchstens in Berichten über seine Erfahrungen mit Reaktionen auf seinen Roman auf. An diesem Abend erlebten die Gäste zu allererst die Intensität seiner Auseinandersetzung mit Martin Luther, mit der Bibel und die Kraft der Worte. Die unstillbare Faszination und Bewunderung für einen Mann, der sich durch das Schreiben selbst befreite. Die Lutherbibel war eins der ersten Bücher, das ihm als Kind - gerade erst hatte er die deutsche Sprache gelernt - in einer Bibliothek in die Hände fiel: die biblia teutsch. Die Wörter waren ihm fremd, so fremd, dass das Verstehen schwer fiel. Doch seine Faszination war vom ersten Moment an geweckt. "Diese Worte hatte ich noch nicht gehört! Es waren glühende, feurige Worte." Er spricht von ihm als Meister: "Ich kann nur Hochachtung empfinden für einen Mann, der den Kopf so hingehalten hat. Die Lesbarkeit der Welt hat sich ihm vermittelt über die Schrift. Vor einem, der es ernst meint. Der alles wegfegte. In diesem Glauben habe ich etwas gesehen, dem gegenüber ich Respekt habe." Seit seiner Kindheit hat er die Bibel immer wieder gelesen, in der Lutherübersetzung und auch in anderen Versionen. Doch keine Sprache erfasste ihn so wie die von Luther. "Es liegt ein Glanz auf dieser biblia teutsch", sagt Zaimoglu. Ein Glanz, den er an diesem Abend lesend und redend mit seinen Gesprächspartnern und den Gästen in der Reinoldikirche Dortmund geteilt hat.
KINO UND KIRCHE
Kino- Gottesdienste an St. Reinoldi
Kino und Kirche - Fenster zu einer anderen Welt
Es sind nur Lichtpunkte. Aber das Geschehen auf der Leinwand zieht uns in seinen Bann. Es entführt uns in unbekannte Welten. 90 Minuten lang entfaltet sich die Magie des Kinos und saugt uns in ein anderes Leben. Dann gehen die Lichter an. Wir werden ausgespuckt in die Alltagsfarben. Wir haben geweint und gelacht, mit gefiebert und erschrocken weggeschaut, haben geträumt, gehofft, geliebt. Filme können uns erschüttern, irritieren, befremden und erhellen. Filme berühren uns.
Universale Grundkonflikte und Träume und Phantasien vom Leben bereiten die bewegten Bilder spannend auf. All das tut die Bibel auf ihre Weise auch. Im Buch der Bücher geht es um Leben und Tod, Heimat und fremd sein, Schuld und Versöhnung, Glück und Liebe, gelebte und ungelebte Träume. Es geht um Familien- und Geschwisterkonflikte, Aufbrüche und Umbrüche, um Gemeinschaft und Einsamkeit, um krumme und gerade Lebenswege. Und darum, was Gott damit zu tun hat.
Das Kino hat die existentiellen Fragen der jüdischen-christlichen Religion von Anfang an aufgegriffen und weitererzählt. Seitdem bietet es neben dem Glauben die eigene Sicht auf das Leben und die Welt an. "Filme sind Unterhaltungsware und zugleich Medien der Weltdeutung und der Sinnvermittlung. Sie erfüllen eine der Religion vergleichbare Funktion." (Jörg Herrmann)
Kino und Kirche, Film und Bibel im Raum der Reinoldikirche miteinander im Gespräch - das ist die Annäherung zweier Erzählgemeinschaften.
Die ausgewählten Filme greifen die großen Lebensthemen und ganz alltägliche Lebenssituationen auf. Im Gottesdienst treten Filmszenen in einen Dialog mit biblischen Geschichten und religiösen Erfahrungen. Filmbilder und Bibel befragen unser Leben - mit unserm Scheitern und Gelingen. Sie looten unsere Sehnsucht nach Sinn und Liebe aus. Sie erweitern und korrigieren unsere Sicht, die Welt und uns selbst zu sehen. Durch Musik, Gebete, biblischen Lesungen, Lieder und den Ort der Reinoldikirche ereignet sich das in einem spirituellen Erfahrungsraum.